„E mahalo kākou i ka mea loa’a.“

Lasst uns dankbar für das sein, was wir haben.

 

Wenn ich an mir heruntergucke, sehe ich die hellen und etwas dunkleren Hautstellen auf meinen Füßen. Hat ein kleines bisschen was von Marmorkuchen. Verantwortlich für dieses Muster sind meine Flip-Flops, die ich abwechselnd zu ein Paar Sandalen getragen habe. Wie komme ich nun von Marmorkuchen zu Hawaii? Dort gibt es, so glaube ich, keinen Kuchen dieser Art. Aber Bier gibt es! Das Lied stimmt demnach nicht!

Was wirklich wichtig ist

Hawaii, die Inselkette im Pazifischen Ozean, ist einzigartig auf dieser Welt. So glaube ich. Dort gibt es Pflanzen, die ich, wenn überhaupt, nur aus Büchern kenne. Tiere, die ich im Zoo aus der Ferne beobachten kann. Geräusche, die mir so fremd sind, mich aber zugleich direkt verzaubern. „Aloha“ – so begrüßt man sich. „Mahalo“ heißt Danke. Aloha kann aber auch Zuneigung und Liebe bedeuten. Lieben lerne ich den 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten direkt. Das Wetter ist großartig – deswegen auch der Marmorkuchen auf meinen Füßen. Was mir bei meinen Reisen stets am Wichtigsten ist, sind die Menschen, die im Land leben. Gerade sitze ich auf meiner liebsten Nordseeinsel. Wangerooge. Im Oktober. Bei Sturm und Regen. Gucke ich aus dem einen Fenster der Ferienwohnung, sehe ich den alten Leuchtturm. Der Blick aus dem anderen Fenster zeigt mir das Meer. Ein paar Schiffe erkenne ich in der Ferne. Es ist schon dunkel und Regen prasselt auf die Dachfenster. Ich schweife ab! Was ich sagen möchte, abgesehen vom Wetter, welches auf Hawaii meistens gleich ist, sind es die Begegnungen mit den Menschen, die mir stark in Erinnerung bleiben.

Winter auf Hawaii?!

Fangen wir bei Buck an. Buck, der sein bisheriges Leben auf dem „Mainland“ verbracht hat, arbeitet nun als so genannter Housesitter auf Big Island. Was macht er genau? Ganz einfach. Er bewohnt das Haus eines hawaiianischen Künstlers, der selbst seit ein paar Jahren die Welt bereist. Buck ist demnach das „Mädchen für Alles“. Er ist zuständig für anfallende Reparaturen und den Empfang der Gäste, die in den beiden bunten Bungalows ihren Urlaub verbringen können. Natürlich mit Meerblick. Unser Bungalow ist grün, der andere gelb. An der Tür hängt ein Schild, das uns darauf hinweist, die Schuhe auszuziehen. Das macht man so auf Hawaii. Jeden Morgen zwischen halb acht und acht Uhr begrüßt uns der stets gut gelaunte Buck mit frischem Kona-Kaffee. Kona-Kaffee wird auf Hawaii angebaut. Er schmeckt anders als alle Kaffee-Sorten, die ich kenne. Kona-Kaffee, generell Kaffee, wird in den USA nur auf Hawaii angebaut. Zurück zu Buck. Buck lebt auf Hawaii und vor allem lebt er das „Aloha“. Gefühlt ruht er in sich, hat sich und seine Bestimmung gefunden. Nicht so oft bin ich einem ausgeglichenerem Menschen begegnet. Buck lebt in den Tag hinein. Pflegt die kleinen Bungalows, empfängt Freunde und Gäste, feiert das Leben, musiziert und kocht. Seine schneeweiße Katze Winter ist stets an seiner Seite. Meistens liegt sie jedoch auf der Veranda. Mit Meerblick. Winter ist eine Perserkatze. Perserkatze auf Hawaii… Das tropische Klima scheint Winter zumindest nicht zu stören.
Buck nimmt uns in seine „Ohana“ auf. Ohana bedeutet Familie auf hawaiianisch. Teil seiner Familie zu sein, fühlt sich gut an. Buck zeigt mir, dass man mit dem zufrieden sein soll, was man hat und wenn das nicht ausreicht, verändert man sich eben und zieht weiter. Wie lang er noch auf Big Island arbeiten kann, weiß er nicht, aber das ist auch nicht ausschlaggebend. Er lebt das Aloha und vor allem lebt er den Moment.

Wo ist der Schnee?

Kevin und seine Frau Shelby haben auch das Mainland, genauer Oregon und Colorado, hinter sich gelassen. Ihre beiden Kinder sind echte hawaiianische Mädchen, die sich im Wasser wohler fühlen als an Land. Er ist Flugzeugmechaniker, sie ist Mutter. Auch bei ihnen gilt: Schuhe ausziehen und eintauchen in das Aloha. Gekühltes Kokoswasser steht direkt neben unserem Bett und wieder: Kona-Kaffee. Im Garten wachsen Plumerias in unterschiedlichen Farben. Peyton, ihre Tochter, möchte, dass wir direkt „Moana“ gucken. Gesagt, getan! Schließlich wollen wir am nächsten Tag mitreden können. Oahu begrüßt uns mit vielen kleinen Märkten, frischen Mangos und Papayas und Surfern. Surfen und Hawaii. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. Im Winter sind die Wellen hoch, sehr hoch und die Wale kommen aus kälteren Gewässern an die Küsten der kleinen Inseln geschwommen. Delfine gibt es hier das ganze Jahr über. Wir sehen sie leider nicht, aber dafür auch hier: Entspannung! Hast du heute etwas nicht erledigen können? Was soll’s! Morgen ist ein neuer Tag! Kevin und seine Familie sehen wir oft erst gegen Abend. Das Leben spielt sich auf Oahu draußen ab. Beim Barbecue am Strand, unter kleinen Zelten. Beim Angeln oder direkt in den Wellen. Surfen bei Sonnenuntergang. Die Menschen treffen sich, verbringen gemeinsam ihre Zeit. Eine große Ohana eben. Ihnen scheint nichts zu fehlen, meint man. Doch! Der Schnee, der fehlt. So Kevin und Shelby. Es schneit tatsächlich auf Hawaii, aber nur auf dem Mauna Kea, einem 4200 Meter hohen Vulkan, dessen Fuß bis 6000 Meter unter den Meerespiegel reicht. Ski fahren kann man natürlich besser in Colorado…

Hang Loose

Hawaii und den Aloha-Spirit trage ich seit meiner Reise in dieses kleine Paradies in mir. Schaffe ich etwas heute nicht, egal, denn: Morgen ist ein neuer Tag!